„Zu des Rheins gestreckten Hügeln“

Ein Poesieabend der Dichterpflänzchen
zu Goethes Aufenthalt im Rheingau

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Sonntag, 17. August 2014 um 18:00 Uhr
Kurfürstliche Burg Eltville

Eintritt: 7,- €
Anmeldung: 06123 / 90980 (Touristinfo-Eltville)


Zu des Rheins gestreckten Hügeln,Hochgesegneten Gebreiten,Auen, die den Fluß bespiegeln,Weingeschmückten Landesweiten,Möget, mit Gedankenflügeln,Ihr den treuen Freund begleiten.


Diesen Vers stellt Goethe seinem Bericht über den Besuch des Sankt-Rochus-Fest zu Bingen im Jahr 1814 voran.

Wie kam es dazu, dass der Staatsmann und Dichterfürst ins Rheingau reiste?
Was interessierte ihn hier? Was macht er und wen trifft er, wo wohnt, bzw. übernachtet er?

Fast ein Jahrzehnt hatte der Waffenlärm der Napoleonischen Kriege Europa erfüllt. Aber im Frühjahr 1814 scheint der Krieg zu Ende zu sein. Am 31. März sind die Alliierten in Paris eingezogen, am 4. Mai haben die Franzosen Mainz verlassen, am 30. Mai wurde der Friede in Paris geschlossen.
Endlich kann man wieder reisen.

Johann Wolfgang Goethe hatte sich zur Angewohnheit gemacht einmal im Jahr zu kuren. Er hatte die thüringischen bzw. sächsischen und böhmischen Bäder bevorzugt. Im späten Frühjahr des Jahres 1814 überlegte Goethe, wo er seine Kur in diesem Jahr verbringen könnte. Freunde rufen ihn nach Westen, in die befreite Heimat. Er schrieb am 8. Mai an Schlosser in Frankfurt:

"Ich habe in diesem Jahr keine sonderliche Neigung die böhmischen Bäder zu besuchen. Möchten Sie mir aber eine Schilderung von Wiesbaden geben und von der Lebensart daselbst, nicht weniger was eine Person mit einem Bediensteten auf einen vier- oder sechswöchigen Aufenthalt zu verwenden hätte."

Die Antwort seines Freundes schien Goethe rundum zufrieden gestellt zu haben und so wird der Musiker und Duzfreund Zelter, der sich in Frankfurt aufhält, beauftragt für Goethe in Wiesbaden Quartier zu machen. Zelter macht ein Zimmer im Gasthof „Zum weißen Adler“ fest und übernimmt von Friedrich August Wolf, der seine Kur schon abgeschlossen hat, den reichlichen Vorrat an Wein und Schwalbacher Wasser.

Am 25 Juli 1814 reiste Goethe im Fahrhäuschen, so nennt seine Frau Christiane die geschlossene, bequeme Reisekutsche, von Weimar ab und traf über Eisenach und Frankfurt fahrend am 29. Juli in Wiesbaden ein. Er blieb bis zum 12. September.

Noch aber lebte er „in der Luft des Ostens“. Herz und Sinn sind ihm voll von altpersischer Frömmigkeit und Hafis-Weisheit und die erste Tätigkeit auf seinem Zimmer war, die auf der Reise entstandenen Gedichte an Hafis abzuschreiben und zu ordnen. Abends wurden sie Zelter vorgelesen. -
„Diwan geordnet“ schrieb er ins Tagebuch. Dreißig Diwan-Gedichte lagen bereits vor. Eine Zusammenstellung von 100 Diwan-Gedichten, während des zweiten Kuraufenthaltes, wird als „Wiesbadener Register“ in die Literaturgeschichte eingehen.

Die Diwan-Gedichte, die Lieder, ohne Kunst und Müh... ” welche in den Jahren 1814 und 1815 während der beiden Kuraufenthalte entstanden, sind eine Einmaligkeit in der deutschen Literatur. Goethe erschuf in diesen Jahren seinen West- Östlichen Diwan!

Was war geschehen?
Etwa ein Monat vor seinem ersten Kuraufenthalt fiel Goethe ein Band mit Gedichten des persischen Dichters Hafis in der Übersetzung des Österreichischen Diplomaten und Orientalisten Hammer-Purgstall in die Hand. Er begann zu lesen - und diese Poesie übte einen solchen Zauber auf ihn aus, dass er die nächsten vier, fünf Jahre fast ganz dem Studium der persischen und arabischen Kultur, ihrer Geschichte, ihrer Dichtkunst, ihrer Religion widmete. Und obwohl er bereits Mitte 60 war, lernte er sogar ein wenig Persisch.

Die Gedichte des West-östlichen Diwans sind untrennbar mit dem Lebensgefühl Goethes in Wiesbaden und im Rheingau verbunden.

Am 15. August 1814 wird, einem plötzlichen Einfall folgend, eine Fahrt „ins angenehme Rheingau“ unternommen.

„Die Kutschfahrt führt über Schierstein, Walluf, Ellfeld, Erbach über Östrich, Langenwinkel in viereinhalb Stunden nach Rüdesheim, wo der Gasthof zur Krone sogleich anlockte.“

- Die Ausflügler werden unbeabsichtigt Zeugen der Prozession zur Sankt-Rochus Kapelle und genießen den Abend unter den zahlreichen Gästen und entscheiden sich über Nacht einzuquartieren. -

„Und so gelangten wir in weniger als viertehalb Stunden nach Rüdesheim, wo uns der Gasthof »Zur Krone«, ohnfern des Tores anmutig gelegen, sogleich anlockte.“


Was Goethe hier im Rheingau erlebte, wen er in Langenwinkel besuchte, wie er die junge Philippine Lade und Marianne Willemer kennenlernte, wie er von der Fastenpredigt des Weihbischof Valentin Heimes erfuhr, was ihm Frau Antonia Brentano zum Geburtstag schenkte, welche Gedichte er hier schrieb, welche Anekdoten aus dieser Zeit berichten … und vieles mehr, das erfahren Sie während der Veranstaltung der Dichterpflänzchen:

„Zu des Rheins gestreckten Hügeln“
Ein Poesieabend zu Goethes Aufenthalt im Rheingau

Sonntag, 17. August 2014 um 18:00 Uhr
Kurfürstliche Burg zu Eltville

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